Name des Projekts: Refugees on Air!
Träger: Radio Unerhört Marburg e.V.
Ort: Marburg
Zeitraum: Oktober bis Dezember 2015

Refugees on Air!

Ein Freies lokales Radio möchte den Menschen Zugang zum Senden ermöglichen, deren Perspektiven in den Mainstreammedien zu kurz kommen. In Kooperation mit der Marburger Gruppe „No Border“ hat Radio Unerhört Marburg im dreimonatigen Projekt „Refugees on Air! sowohl Geflüchteten seine Räume geöffnet, technische sowie journalistische Grundlagen vermittelt als auch Begegnungen auf Augenhöhe geschaffen. Begegnet sind sich ehrenamtliche Sendungsmachende des Radiosenders und Geflüchtete, aber auch Geflüchtete aus verschiedenen Unterkünften im Landkreis untereinander und mit Menschen ohne Fluchterfahrung auf den Regiotreffen. Hier wurde Kaffee getrunken und sich ausgetauscht, aber auch gezielt gemeinsam nachgefragt: wie geht es euch in den Unterkünften? Was fehlt euch? Was braucht ihr, um die Situation selbst zu verbessern? Um diese Fragen zu beantworten wurden auch Referent_innen aus Selbstorganisationen von Geflüchteten aus anderen lokalen Zusammenhängen eingeladen.

Um auch Geflüchteten aus abgelegenen Unterkünften die Teilnahme an den Veranstaltungen zu ermöglichen wurden Menschen mit Autos abgeholt, und die Fahrtkosten für Zugtickets übernommen.

Fazit

Es ist wertvoll für Menschen ohne Fluchterfahrung einen Rahmen zu haben, in dem sie die Geschichten der Geflüchteten zuhören können. Der selbstverständliche Umgang mit freier Meinungsäußerung ist für Menschen aus totalitären Systemen nicht selbstverständlich. Auch die prekäre Situation als Asylsuchende_r kann Ängste im Umgang mit Medien verursachen. „Wenn ich die Zustände in der Unterkunft kritisiere, bekomme ich dann noch Asyl?“, „Wenn ich über die Zustände in meinem Heimatland berichte, wer schützt mich vor der Verfolgung, die ich dort erfahren habe?“

Ängste, die für Medienschaffende die in Deutschland aufgewachsen sind, kaum vorstellbar sind. Ähnliches gilt für die Selbstorganisation von Geflüchteten, in der sie sich für ihre eigenen Belange einsetzen könnten. Auch hier gibt es viele Ängste vor negativen Auswirkungen vor allem auf den eigenen Status.
In Nachfolge aus dem Projekt hat die No Bordergruppe das monatliche „Break Isolation Café“ entwickelt, in dem sich Geflüchtete und Menschen ohne Fluchterfahrung niedrigschwellig begegnen können und gemeinsam das Programm für die folgenden Termine entwickeln.

Radio Unerhört bietet auf Anfrage kurzfristig und in kleinen Gruppen Workshops für Geflüchtete an, um auf die unterschiedlichen inhaltlichen und sprachlichen Sendekonzepte eingehen zu können. Denn nur weil 10 Menschen Fluchterfahrung haben, wollen noch lange nicht alle 10 die gleiche Radiosendung machen.