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Name des Projekts: Demokratiekonferenz: Lesung zum Buch „Zusammen sein– Plädoyer für eine Gesellschaft der Gegenseitigkeit“
Träger: misch mit!
Ort: Marburg
Zeitraum: 27.03.2025

Zusammen sein – Plädoyer für eine Gesellschaft der Gegenseitigkeit

Die Journalistin und Autorin Hadija Haruna-Oelker hat am 27. März aus ihrem neusten Buch vorgelesen. Darin geht es um Inklusion und Barrieren, die Perspektive einer Schwarzen nicht-behinderten Mutter, die ein behindertes Kind hat.

Zu Beginn geht Haruna-Oelker darauf ein, wie es zu der Idee des Buches kam: Als sie sich selbst in Rehakliniken für ihr Kind wiederfindet, von denen sie vorher nie gehört hat und immer wieder mit Fragen konfrontiert wird wie „welche Behinderung hat denn dein Kind?“, merkt Haruna-Oelker, dass in unserer Gesellschaft etwas grundlegend schiefläuft. Wir unterscheiden zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, bewerten Menschen anhand dessen, was sie leisten können – oder eben nicht. Diesen Zustand bezeichnet die Mutter als diskriminierend, deshalb will sie sich für mehr Inklusion einsetzen und auf diese Missstände hinweisen.

Die Autorin schildert, wie Eltern von behinderten Kindern immer wieder die Versäumnisse ausgleichen müssen, die beim Thema Inklusion vorherrschen. Sie merken, dass Teilhabe nicht für alle Menschen gleichermaßen möglich ist. Es gibt Barrieren! Ganz praktische, in Form von Bordsteinen oder anderen Hindernissen, aber auch in den Köpfen von Menschen.

Hadija Haruna-Oelker schafft es, in den knapp zwei Stunden der Veranstaltung ihr Publikum zum Nachdenken anzuregen. Sie ermutigt, die gesellschaftlichen Strukturen zu hinterfragen und selbstkritisch zu schauen: wo kann ich etwas dazu beitragen, dass das Menschenrecht auf Inklusion im Alltag auch gelebt wird? Warum unterscheiden wir zwischen behindert und nicht behindert? Braucht es diese Trennung?

Sie singt berührende Lieder, die auch im Leben von Haruna-Oelkers Kind eine wichtige Rolle spielen. Die gesamte Veranstaltung wird in Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Latoya Reitzner singt zwischendurch berührende Lieder, die von Dodzi Dougban live in DGS performt werden.

Im Anschluss des Gesangs liest die Autorin jeweils einen Ausschnitt aus einem Kapitel ihres Buches. Es geht unter anderem um die historische Aufarbeitung der NS-Zeit, in der auch Menschen mit Behinderung systematisch diskriminiert und ermordet wurden. Und es geht um Bewegungen und Vereine, die sich seit über 40 Jahren für Inklusion und gegen Diskriminierung einsetzen.

Die Autorin ruft dazu auf, dass wir alle aktiven Räume öffnen können, um Teilhabe für alle zu ermöglichen. Diese inklusiv gestaltete Veranstaltung mit DGS-Übersetzung, über das Thema Inklusion miteinander ins Gespräch zu kommen, ist eine Möglichkeit.

Hadija Haruna-Oelker schließt mit einem wunderschönen Bild: wir müssen Verletzlichkeit neu denken, uns umeinander kümmern und miteinander verbinden. Weil wir alle aufeinander angewiesen sind, damit es uns gut geht. Oder, wie man in Südafrika sagt: Ubuntu! Ich bin, weil wir sind.