Name des Projekts: Jugendprojekt: Zusammen schaffen wir das
Träger: bsj Marburg
Ort: Breidenbach
Zeitraum: Juni bis August 2020

„Zusammen schaffen wir das“ – Jugendliche für ihre Gemeinde Breidenbach

Eine Spur der Hoffnung legten insgesamt 12 Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren im Pandemie-Sommer 2020 durch ihre Heimatgemeinde Breidenbach. An drei Nachmittagen sprühten sie mit Hilfe von vorgefertigten Schablonen Kreidegraffitis vor öffentliche Orte wie Rettungswache, Bürgerhäuser, Rathaus, Schulen, Kindergärten, Altenheim, Schwimmbad, den Jugendraum in Wiesenbach, einen Ortsbrunnen und eine belebte Kreuzung. Die Graffitis zeigten entweder einen bunten Regenbogen oder den Slogan „Zusammen schaffen wir das“. Fotografien der Motive ließen die Schüler*innen als Postkarten drucken und dann, versehen mit persönlichen Grüßen, über Pfegekräfte an die Bewohner*innen des Breidenbacher Alten- und Pflegewohnheims verteilen.

„Der Aktion gingen zwei Überlegungen voraus“, sagt Schulsozialarbeiterin Meike Foegen vom bsj Marburg, „einerseits erklärten mir verschiedene Jugendliche in den Pausen auf dem Hof immer wieder, dass ihre eigenen Bedürfnisse während der Pandemie von niemandem wahrgenommen würden.“ Elementare Dinge, die Jugend ausmachen, waren verboten: sich treffen, zusammen abhängen, sich in den Arm nehmen, einander nahe sein. „Andererseits brachten die Jugendlichen aber auch großes Mitgefühl für alte Menschen auf, die in Pfegeheimen lebten und keinen Besuch empfangen konnten“, so Foegen. Mitunter betraf die Situation ja auch die eigenen Großeltern.

Mit der Sprühaktion konnten die Jugendlichen beide Impulse zusammenbringen und dabei sogar noch kreativ sein. „Sie konnten als Jugendliche sichtbar werden und etwas für andere Menschen tun, die sich einsam fühlten“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Damit stießen sie in der Gemeinde auf sehr positive Rückmeldungen: Einmal nahm Breidenbachs Bürgermeister Christoph Felkl selbst die Sprühflasche in die Hand; die Freiwillige Feuerwehr teilte den Graffiti vor ihrer Tür, kaum dass er gesprüht war, mit einem Dankeschön auf ihrer Facebookseite; die Senior*innen kamen aus dem Heim und sahen im gebotenen Abstand beim Sprühen zu; und immer wieder wurden die Jugendlichen auf der Straße direkt angesprochen, „weil ihre Bilder bunt sind und Hoffnung machen“. 

Das „misch mit!“-Jugendprojekt wurde von der Schulsozialarbeiterin Meike Foegen und der Jugendpflegerin Elisabeth Müller in Breidenbach unterstützt. „Wir haben den Jugendlichen bei der Ideenfindung und der Organisation geholfen, zum Beispiel bei der Bestellung der Schablonen im Internet“, sagt Meike Foegen.

Für 2021 ist eine Neuauflage im Gespräch: Gesprüht werden soll diesmal vor den Wohnhäusern von Schüler*innen, die nach wie vor nicht in die Schule gehen können und per Internet zu Hause beschult werden (ybo)